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Gästebucheintrag Verena Lang    
Eintrag Gästebuch Blumenhalde

Der Morgen kalt, es regnet, auf den Hügeln am andern Ufer der erste Schnee. Die Fahne bei der Schiffstation hat endlich ihren Wind. Der Sturm hat die letzten Blätter von der Platane gefegt. Der Abschied von der Blumenhalde steht vor der Tür. Im Ofen knackt das Holz, sonst ist es still wie immer. Einen Monat nur zum Schreiben, wie lange, habe ich am Anfang gedacht. Jetzt schaue ich zurück und denke: zu kurz. Es hätte länger so weitergehen können mit der Schönheit vor dem Fenster, mit den Spaziergängen durch die Rebhänge, mit dem Sitzen unten am See, vor allem aber mit der Stille und dem Schreiben.

Vier Wochen lang war ich Gast hier. Der Sonnenaufgang links vom Schreibtisch, der Sonnenuntergang rechts und geradeaus der Garten mit dem Rasen, dem Rosenbäumchen und dem Kiesplatz, darauf verstreut die grossen Blätter der Platane, das Dach des Bootshauses. Direkt an den Garten angrenzend der See. Die schwarzen Wasserhühner patrouillierten hin und her, tauchten kopfüber ab, tauchten wieder auf. Ab und zu zwei Schwäne, ein paar Enten, Möwen. Am Morgen die Ruderer, deren getaktete Schläge man am Schreibtisch hörte. Am Nachmittag das grosse Schiff, dessen Wellen nach einigen Minuten schräg aufs Ufer zurollten. Das Muster, das sich auf dem Wasser zeigte, dunkle und silberne Streifen, gehörte zu meinem Nachmittag, wie der Kaffee am roten Bistrotisch auf der Terrasse.
Und zu all dem diese Stille als Verstärker.
Ich weiss nicht, was ich mehr liebte, den Tag, an dem ich dem Wellenspiel und den Lichtreflexen auf dem Wasser zusehen konnte, oder die Nacht mit dem feinen Lichtgewebe am anderen Ufer.

Eines ist sicher, ich werde Entzugserscheinungen haben. Bevor diese eintreten und die Sicht auf diese einmalige Zeit hier trüben, ein herzliches Danke an alle, die mir diesen Aufenthalt ermöglicht haben und zu seinem Gelingen beigetragen haben: Karin Russek, die einfühlend an alles gedacht hat, vor und während des Aufenthaltes, die Lesung organisiert und mit Gabriella Luger für den Apéro gesorgt hat.
Gabriella Luger auch für die Gartenpflege und den Kleinholznachschub.
J. Heuberger für die tolle Mikrofonanlage bei der Lesung.
Den Teilnehmerinnen der Haiku-Werkstatt für ihre Begeisterung beim Silbenzählen und Wörter streichen.
Meinem Mann, meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten, die mich ungestört arbeiten liessen, aber zur rechten Zeit hier auftauchten, um mir Gesellschaft zu leisten.

Verena Lang
Dezember 2011


Verena Lang